Orientalism Express 2010 diploma

„So erreiche ich im Morgengrauen den Orient, nach dem ich mich schon so lange gesehnt habe, und muss nun feststellen, dass diese Reise, egal wie weit ich auch fahren würde, mich viel mehr zu mir selbst und zu einem tieferen Verständnis unserer eigenen Kultur gebracht hat. Das hätte ich mir wohl in meinen wildesten Orientträumen nie erträumt!“

0rient – das ist eigentlich nur ein fiktiver, imaginativer Begriff, denn er ist nicht genau definierbar, weder geographisch, noch kulturell, religiös oder ethnisch lässt er sich festlegen.
So drückt dieser Begriff vielmehr aus, was sich der Okzident darunter vorstellt, als Ismus.
Dieser Orient ist eine Fiktion, ein Bühnenbild, eine Leinwand unserer Projektionen und Wunschvorstellungen. Diese Verzerrungen wird zur Karikatur oder gar zu einem Kuriositätenkabinett: bizarr, fantastisch, kitschig, schauerlich, primitiv, märchenhaft, pervers, mystisch…

In der historischen Auseinandersetzung mit dem Orient trat Europa meist dominant, paternalistisch und militärisch auf, als Eroberer, Entwicklungshelfer oder Kolonialist.
In meiner Kollektion habe ich die Uniform im Kolonialstil als strenge Grundform genommen, um die sich in orientaler Inszenierung die farbprächtigen Drapierungen als geliehene imaginierte Sinnlichkeit legen. Wir haben uns den Orient so gemalt wie wir ihn sehen wollten und so sind die Stoffe mit den freien Pinselstrichen die Mahnung an diesen Akt. Doch werden die Drapierungen nie integraler Bestandteil des Schnittes, so wie beim oberflächlichen Umgang mit anderen Kulturen keine wahre Verinnerlichung stattfindet, sie bleiben Projektionsleinwand.